Xeisfrische



Ich war in Admont und hatte einen Nachmittag Zeit. Stift samt Bibliothek waren mir bekannt. Wirtshäuser meide ich im Sololauf. Als letztes Freizeitangebot der Obersteiermark blieb mir also die Beschäftigung mit der Landschaft. Gut, dass ich damit etwas anfangen kann.

Die Landschaft war beeindruckend. Hochwasser, Herbstlaub und Nebelreißen bereicherten an dem Tag die Nationalparkkulisse. Die Enns hat sich hier über Jahrtausende kraftvoll und unermüdlich in das schroffe Gestein gegraben. Das Tal ist eng, tosend, urtümlich und wird vom Zauber unberührter Natur umfangen. Gut, dass eine zweispurige Asphaltstraße entlang des Talbodens verläuft, um die Natur zu erschließen.

Planlos fuhr ich durch das Tal. Den Kopf bei der Fahrt in alle Richtungen gestreckt, packte es mich im Minutentackt. Beinahe bei jedem Leitpflock offenbarte sich ein Fotomotiv, das digital festgehalten werden muss. Da das Nebelreißen meist nur kurz andauert und hinter jeder Kurve eine lohnende Szenerie wartete, geriet ich in einen Sog. Ich wollte keine Fotomöglichkeit verpassen. Innerlich getrieben machte ich sogar vom Auto aus Aufnahmen mit dem Teleobjektiv. Die Sitzheizung wärmte dabei meinen Arsch. Gut, dass bei Aufnahmen mit einem 100/400-mm-Objektiv der Vordergrund vernachlässigbar ist.

Es bedurfte einer Staumauer, um den warmen Arsch zu Gunsten eines kühlen Kopfes aufzugeben. Eine massive Talsperre bringt den Fluss im Nationalpark beinahe zum Erliegen. Dort angekommen hat das träge fließende Gewässer als Fotomotiv (wie als Lebensraum) ausgedient. Ich parkte mein Auto und spazierte ohne Kamera durch die frische Luft und entspannte mich. Mir sind bei meiner Fahrt Naturaufnahmen gelungen, ohne die Natur zu erleben. Ergriffen vor lauter Selbsterkenntnis vereinbarte ich mit mir, bei der Rückfahrt an einer Stelle zum Flussufer hinabzuklettern. Gut, wenn man beim inneren Monolog einen Konsens erreicht.

Als ich bei der Rückfahrt im Bereich des Gesäuseeingangs das Flussufer aufsuchte, begann es zu dämmern. Da ich Langzeitaufnahmen mit dem Fluss im Vordergrund im Sinn hatte und alle meine Filter ordentlich sortiert bei mir zu Hause im Schrank lagen, begrüßte ich das schwindende Licht. Ausgerüstet mit Weitwinkelobjektiv und Stativ kletterte ich auf der Suche nach der besten Komposition geschickt auf den ufernahen Steinblöcken umher. Ich wollte das leuchtende Herbstlaub und die rauschende Enns in einer Aufnahme kombinieren (Xeis 8). Nach zwei erfolgreichen Aufnahmen wurde ich unvorsichtig. Während ich mit dem Rucksack hantierte, kippte das schlecht platzierte Stativ mit der Kamera und drohte in den Fluss zu fallen. Ein ausschließlich in der Nacherzählung als eleganter Hechtsprung zu bezeichnender Kniefall rettete die Kamera mitsamt dem Loxia-Objektiv vor dem Verschwinden in der Enns. Da war es nun endlich, das ersehnte Naturerlebnis. Mit einem Stich drang eiskaltes Wasser an Arm und Bein und mein Knie pulsierte nach Kontakt mit einem Stein. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte, machte ich zum Trotz noch zwei Fotos (Xeis 9 und 10). Schließlich hinkte ich durchnässt in der anbrechenden Dunkelheit zu meinem Auto. Ich zog meine Hose aus und fuhr zurück nach Admont. Gut, dass es eine Sitzheizung gibt.


Bei meiner Ankunft in Admont hatten nur mehr Wirtshäuser geöffnet. Meine Jacke und meine Hose waren noch nass. Aber das ist eine andere Natur-Foto-Story.

Xeis 1

1/160 Sek.  f 5,6  ISO 125

160 mm

Xeis 2

0,6 Sek.  f 13  ISO 100

50 mm

Xeis 3

1/200 Sek.  f 8,0  ISO 100

100 mm

Xeis 4

1/60 Sek.  f 8,0  ISO 100

50 mm

Xeis 5

1/125 Sek.  f 8,0  ISO 125

118 mm

Xeis 6

1/250 Sek.  f 6,3  ISO 320

224 mm

Xeis 7

1/13 Sek.  f 11  ISO 320

229 mm

Xeis 8

1/4 Sek.  f 16  ISO 400

21 mm

Xeis 9

2,0 Sek.  f 14  ISO 200

35 mm

Xeis 10

1/40 Sek.  f 9,0  ISO 400

50 mm